FALKENSEE - Alexandra Schmitt ist 34 und hat schon viel durch. Die Beziehung zu dem Vater ihrer drei Söhne – drei, sechs und sieben Jahre alt – ist hoffnungslos gescheitert.
Nicht zuletzt, weil es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam. Sie ist verschuldet und arbeitslos und war streckenweise psychisch so labil, dass man ihr um ein Haar die Kinder weggenommen hätte. Denn im Jugendamt ihres Heimatkreises sah man deren Wohl erheblich bedroht. Doch dann hörte man vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Falkensee, der betreutes Wohnen für Familien bietet, um den Kindern das Heim zu ersparen und Eltern zu befähigen, den Alltag zu meistern. Denn der ist alles andere als ein Kinderspiel.
Im Dezember 2008 zog Alexandra Schmitt mit ihren drei Söhnen auf das Gelände des ASB-Familien- und Jugendhilfezentrums an der Ruppiner Straße. In ihrer Vier-Zimmer-Mietwohnung lebt sie nun Wand an Wand mit ihren Betreuern. Sie helfen ihr, den Alltag zu organisieren, in dem sie zeitweise unterzugehen drohte. Sie helfen, einen Finanzplan zu entwickeln, im Umgang mit den Kindern Konsequenz und einen ruhigen Umgangston zu praktizieren, sie sinnvoll zu beschäftigen und zu fördern.
„Wir reden viel über meine Probleme“, sagt Alexandra Schmitt, die – obwohl sie sich sehr nach ihrer Verwandtschaft in ihrer hessischen Heimat sehnt, den Schritt nicht bereut hat. „Hier war ich von Anfang an jemand und nicht nur eine Nummer“, sagt sie. In Falkensee hat sie auch den nötigen Abstand gewonnen, ihre verhängnisvolle Beziehung zum Vater ihrer Kinder abzubrechen. Ob sie das durchhalten wird? Sie ist zuversichtlich. Zuversichtlich auch, dass sie in wenigen Monaten wieder mit ihren Kindern in ihre Heimat und in ein selbstständiges Leben zurückkehren kann.
Doch nicht immer ist das auf ein bis zwei Jahre angelegte „Betreute Wohnen für Familien“ von Erfolg gekrönt. „Manchmal müssen wir auch feststellen: Sie schaffen es nicht“, sagt Ulrike Pohl, die das Team der 22 Betreuer vertritt, die sich gegenwärtig um rund 20 Familien bemühen. Einige wohnen auf dem ASB-Gelände wie Alexandra, andere im Falkenhorst, wo der ASB neun Wohnungen angemietet hat und an diese Familien untervermietet. Dort wohnt auch Sandra M., 30 Jahre alt, Mutter eines achtjährigen Sohnes und zweier Töchter, vier und sieben Jahre. Sandra, die keinen Berufsabschluss vorweisen kann, hat als Kind selbst einige Zeit im Heim gelebt und will das ihren Kindern um alles in der Welt ersparen. Aber sie hat Haariges hinter sich: Burn out, totale Resignation. Sie ließ ihre Wohnung verkommen. Es war ihr alles egal, sogar die Kinder. Erst als diese zu ihren Vätern kamen, wachte sie auf. Im Familienprojekt des ASB bekam sie nach und nach die Rückenstärkung und die Methoden an die Hand, mit denen sie ihr Leben wieder in den Griff bekommen kann. „Ich habe gelernt, dass es keine Schande ist zu sagen: Ich kann nicht mehr. Aber auch, dass man sich dann Hilfe suchen und sie auch annehmen muss“, sagt Sandra M. rückblickend, die viel, mitunter viel zu viel Zeit im Internet surft. Dort fand sie allerdings auch die Motivation für einen beruflichen Neuanfang: Sie will sich zur Veranstaltungskauffrau qualifizieren.
Ihre Betreuerin Ulrike Pohl ist zuversichtlich, dass Sandra es schafft und auch den Schuldenberg nach und nach abträgt. Darauf wird sie drängen, denn wenn ihre Klienten-Familien als gefestigt entlassen werden, stehen ihnen ihre Betreuer noch etwa drei Monate als Berater zur Seite. (Von Hiltrud Müller)
(Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/11816860/61759/ASB-will-Einweisung-der-Kinder-ins-Heim-verhindern.html)


