Lern- und Lesepatenschaften

Bücher statt Handy, Geschichten statt „Zocken" - Warum Lesepaten heute immer wichtiger werden

Lesen macht Spaß!
Foto: C. Gericke / ASB

Frau Mahler sieht Miriam noch lange nach, als sie auf den Pausenhof läuft: Vier Jahre lang hat sie das Mädchen nun in der Grundschule begleitet. Von der 2. Klasse an kam sie zuverlässig einmal in der Woche zu ihr in die Schule. Zu Beginn konnte Miriam sich beim Lesen kaum konzentrieren und rutschte unruhig auf dem Stuhl hin und her. Mit der Hilfe von Frau Mahler liest die Elfjährige heute lange Passagen am Stück und hat Spaß, sich über das Gelesene zu unterhalten. Ihr Leseverständnis hat sich durch die geduldige Unterstützung von Frau Mahler stark verbessert.

Die Lehrerin gab Frau Mahler oft positive Rückmeldungen über die guten Erfolge. Heute hat Miriam gar keine Probleme mehr mit dem Lesen und ist zu einer richtig begeisterten Leserin geworden. Wenn sie groß ist, möchte sie auch als Lesepatin Kindern helfen. Und Frau Mahler kümmert sich nun um Samira, die kleine Schwester Miriams, die neu an die Schule gekommen ist. So bekommt auch sie das „Mehr" an Leseförderung, dass ihre alleinerziehende Mutter mit fünf Kindern nicht immer so leisten kann wie sie es eigentlich gerne würde. Auch Miriams und Samiras Mutter ist sehr froh über die Unterstützung und freut sich immer Frau Mahler auf den Schulfesten zu treffen.

Szenenwechsel: An einem Nachmittag in einem Hort in Falkensee: die drei Grundschüler aus der 2., 3. und 5. Klasse freuen sich sehr, denn heute ist einer von den zwei „besonderen" Tagen in der Woche, an denen sie Besuch von einem Lesepaten bekommen. Mit großer Motivation haben sie alle schon die Materialien bereit gelegt die ihnen die Lehrerin ihrer „Willkommensklasse" mitgegeben hat. Alle drei wollen ihre Deutschkenntnisse verbessern. Sie wissen, dass ihnen die Lesepaten dabei viel Hilfe geben können. Aber nicht nur das. Sie können auch miteinander reden, sich austauschen über das Leben hier in Deutschland und das Leben in Syrien und Afghanistan. Mostafa, der Älteste, hat Ihnen auch schon berichtet, was er neulich seinen Paten gefragt hat: „Warum kommst Du jeden Dienstag zu uns? Hast Du keine Arbeit?" - Doch der Lesepate hat Arbeit und auch eine eigene Familie. Aber er findet es auch wichtig andere zu unterstützen denen es gerade nicht so gut geht – damit es bald allen gut geht. Das hat Mostafa sehr beeindruckt.

Nach dem Bielefelder Institut für frühkindliche Entwicklung haben etwa 5-10% aller Kinder erhebliche Probleme beim Erwerb der Schriftsprache. Dabei sind Kinder aller sozialen Schichten betroffen. Auch im Erwachsenenalter sind noch viele Menschen von diesem Problem betroffen, z.T. einhergehend mit einer großen psychischen Belastung, einem erschwerten privaten und beruflichen Lebensweg bis hin zu Resignation und komplettem Rückzug.

Seit über 5 Jahren hat der ASB Falkensee nun das Projekt „Lesepaten" in seinem Programm. In neun Schulen und Horten in Falkensee, Brieselang, Dallgow, Nauen, Wustermark und Perwenitz sind derzeit 30 Patinnen und Paten aktiv. Diese ehrenamtlich Tätigen sind zum einen selbst Eltern, die einen Teil ihrer Zeit für die Lesepatenschaft „spenden", zum anderen sind es Seniorinnen und Senioren, die gerne weiter Sinnvolles für unsere Gesellschaft beitragen möchten. Sie alle werden von Mitarbeiterinnen des ASB begleitet. D.h. dass die zusätzlich zu ihren Ansprechpartnern in den jeweiligen Schulen eine weitere Anlaufstelle haben: Mehrmals im Jahr gibt es Treffen für alle Patinnen und Paten zum gemeinsamen Austausch und auch für interne Fortbildungen, z.B. zur Förderung der sozialen Kompetenzen mit ausgewählter Kinderliteratur. Unterstützung bekommt der ASB durch die „Stiftung Lesen" und die „Partnerschaft für Demokratie": Beide haben es ermöglicht, dass eine mehrsprachige Bücherkiste für die Lesepatinnen und –paten zur Verfügung steht, mit Kinderbüchern zu Themen wie Miteinander, Familien, Religionen und Flucht.

Trotz des schon sehr großen Engagements und bei all´ den vielen positiven Rückmeldungen von Kindern, Eltern und Schulen ist eines weiterhin deutlich: Weitere Lesepatinnen und –paten könnten noch deutlich mehr Kinder unterstützen und die Nachfrage dafür ist groß! Vor allem Schulen in Brieselang, Dallgow, Nauen, Perwenitz und Schönwalde würden sich über Unterstützung sehr freuen. Eine Patenschaft kann individuell gestaltet werden: Die meisten Ehrenamtlichen kommen einmal in der Woche an die Schule und arbeiten dann entweder für ein bis zwei Stunden mit ihren Bezugskindern oder mit verschiedenen Kindern einer Klasse. Manche Paten / Patinnen kommen im Nachmittagsbereich immer zu einem festen Bezugskind das zusätzlich Unterstützung benötigt. Die Beteiligung wird nach Möglichkeit mit allen besprochen, so dass auch die HelferInnen sich in ihrer Aufgabe wohl fühlen.

Wenn sie Interesse an einer Lesepatenschaft haben melden Sie sich bitte bei Frau K. Schleehauf. Sie koordiniert für den ASB die ehrenamtlichen Lesepatinnen und –paten: k.schleehauf@asb-falkensee.de.